StaR_MHI ist ein dreigliedriges Verbundprojekt aus dem Expert*inennetzwerk des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG), der Universitätsmedizin Halle, dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR), des Deutschen Jugendinstituts e. V., des Klinikums der LMU München, der Charité Universitätsmedizin Berlin, des Universitätsklinikums Jena, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, dem Leibniz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, dem Institut für Psychologie sowie dem studentischen Gesundheitsmanagement der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und verfolgt das Ziel, Prädiktoren der psychischen Gesundheit Studierender zu identifizieren, hochfrequent längsschnittlich zu validieren und geeignete Interventionsplattformen der interdisziplinären Unterstützung und Begleitung zu adaptieren und weiterzuentwickeln.
„Die im Rahmen der Projekte erhobenen Daten und die darauf aufbauenden Maßnahmen sollen Studierenden, Schüler*innen und Auszubildenden zugutekommen. Das Vorhaben zielt darauf ab, die psychische Gesundheit langfristig zu stärken, indem Risikofaktoren aufgedeckt und die Resilienz durch passende Maßnahmen gefördert wird. Auf diese Weise sollen Ausbildungsabbrüche reduziert und junge Menschen besser auf eine zunehmend komplexe Arbeitswelt vorbereitet werden.“
Prof. Dr. Stefan Watzke
Konsortialführung StaR_MHI
StaR-MHI
Projektbeschreibung
Students at Risk for Mental Health Issues (StaR_MHI) ist ein Verbundprojekt aus dem Expertennetzwerk des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG), der Universitätsmedizin Halle, dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR), des Deutschen Jugendinstituts e. V. (DJI), des Klinikums der LMU München, der Charité Universitätsmedizin Berlin, des Universitätsklinikums Jena, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, dem Leibniz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, dem Institut für Psychologie sowie dem studentischen Gesundheitsmanagement der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Insgesamt wird das Projekt an 9 Standorten mit Verbundleitung an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle durchgeführt. Die Projekte laufen in enger Zusammenarbeit mit Studierendenvertretungen und dem Trialogischen Zentrumsrat des DZPG, in dem Betroffene, Angehörige und Forschende aller DZPG-Standorte vertreten sind. StaR_MHI verfolgt das Ziel, Prädiktoren der psychischen Gesundheit Studierender zu identifizieren, hochfrequent längsschnittlich zu validieren und Interventionsplattformen zur interdisziplinären Unterstützung weiterzuentwickeln.
Arbeitspaket 1 umfasst dabei die kritische Systematisierung und Synthese bisheriger Forschungserkenntnisse zu Risiko- und Resilienzfaktoren der psychischen Gesundheit Studierender, erweitert um die Analyse von Versicherten- und Zeitreihendaten.
Arbeitspaket 2 beinhaltet die Erfassung identifizierter Prädiktoren in einer Baseline-Erhebung zur Prognose psychopathologischer Verläufe. Die Daten werden dabei um (neuro-)biologische Profile und Daten zur Mental Health Literacy sowie aus Studierendenbefragungen ergänzt.
Im dritten Schritt erfolgt der Praxistransfer in Kooperation mit dem Trialogischen Zentrumsrat des DZPG, Erfahrungsexpert*innen und den Studierendenvertretungen. Dabei werden die Befunde sowie daraus abzuleitende Empfehlungen zur Adaption bestehender Interventionen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit Studierender diskutiert.
Längerfristig soll StaR_MHI einen nachhaltigen Beitrag zu einer inklusiven, risikobewussten und resilienzorientierten Ausbildung in Deutschland sowie zur Genesung betroffener Studierender leisten. Dadurch wird die Stärkung einer Generation begünstigt, die den Anforderungen einer zunehmend komplexer werdenden Arbeitswelt besser gewachsen und künftig als Multiplikator im achtsamen Umgang mit psychischen Beschwerden handlungsfähiger ist.
Es bedarf vielfältiger Methoden und interdisziplinärer Perspektiven, um Prädiktoren sowie daraus abgeleitete Bedarfe und Handlungsempfehlungen zur psychischen Gesundheit Studierender adäquat zu erfassen. StaR_MHI greift dies auf, indem es den bisherigen Forschungsstand bündelt, Risiko- und Resilienzprofile sowie Prognosemodelle entwickelt und den Praxistransfer unterstützt.
Kooperation
Teilprojekte und Partner*innen
01 Teilprojekt 1.1 Risko- und Schutzfaktoren psychischer Gesundheit bei Studierenden im längsschnittlichen Verlauf: Evidenzsynthesen zum aktuellen Stand der Forschung
Das psychische Wohlergehen von Studierenden ist ein hochschul- und wissenschaftspolitisch hoch relevantes Thema. In den letzten Jahren war bei Studierenden in Deutschland eine substanzielle Verschlechterung des psychischen Wohlergehens zu beobachten, insbesondere in Bezug auf Belastung durch depressive und Angstsymptomatik sowie allgemeines Belastungserleben. Angesichts globaler Polykrisen und gesellschaftlicher Herausforderungen hält diese Entwicklung auch nach Abklingen der Pandemie weiterhin an und zeigt deutlichen Handlungsbedarf auf, Risikofaktoren für ungünstige Verläufe psychischer Gesundheit bei Studierenden zu reduzieren und Schutzfaktoren zu fördern. Die umfassende Identifizierung und methodisch hochwertige Synthese der aktuellen Forschungsdaten (Evidenz) zu Risiko- und Schutzfaktoren psychischer Gesundheit bei Studierenden ist notwendig, um angesichts begrenzter Ressourcen die Entwicklung zielgruppengerechter wirksamer Interventionen auf individueller, gesellschaftlicher und organisationaler Ebene zu ermöglichen.
Das vorliegende Projekt wird gemeinsam mit Studierenden, Universitätsbeschäftigten und psychosozialen BeraterInnen konzipiert. Umfassende Evidenzrecherchen, u.a. in resiMETA, einer Datenbank zu verlaufsbasierter Resilienzforschung, werden durchgeführt, um relevante längsschnittlichen Studien zu finden, die bei Studierenden den Einfluss individueller, gesellschaftlicher oder organisationaler Faktoren auf die mentale Gesundheit nach Stressbelastung untersuchen. Die Evidenz wird mittels eines validierten Ratingschemas bewertet und integriert (vgl. Schäfer et al., 2024). Dabei wird erfasst, welche Risiko- und Schutzfaktoren die Veränderungen der mentalen Gesundheit bei Stressbelastung beeinflussen.
Projektleitung
Prof. Dr. Klaus Lieb
klaus.lieb@lir-mainz.de
Projektmitarbeitende
Dr. Jutta Stoffers-Winterling (Leitung)
jutta.winterling@lir-mainz.de
Prof. Dr. Sarah K. Schäfer (Leitung)
sarah.schaefer@lir-mainz.de
Natalie Schöllner (M.Sc.)
natalie.schoellner@lir-mainz.de
Dr. Jan Broll
jan.broll@lir-mainz.de
Kooperierende Institutionen
02 Teilprojekt 1.2 Analysen versorgungsnaher Daten/ Krankassenroutinedaten zu Inanspruchnahmeprävalenzen und Institutionen
Teilprojekt 1.2 des Verbundprojektes Students at Risk for Mental Health Issues (StaR_MHI) zielt darauf ab, anhand versorgungsnaher Daten des FDZ Gesundheit am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen initialen Überblick über Prävalenzen psychischer Erkrankungen bei Studierenden, Häufigkeiten der Inanspruchnahme assoziierter Versorgungsleistungen sowie beteiligter Institutionen des Gesundheitssystems (Leistungserbringer) zu generieren. Dabei sollen auch Entwicklungen genannter Informationen im Zeitverlauf beobachtet sowie eingeordnet werden, z.B. im Hinblick auf gesundheitspolitische und gesellschaftliche Kontexte. Die Analysen erlauben weiterhin die Identifikation möglicher Unterschiede anhand soziodemografischer Daten und weiterer gesundheits- bzw. behandlungsbezogener Faktoren, wie angewandter Medikation und dem Bestehen weiterer Diagnosen, was der Identifikation vulnerabler Gruppen dienen soll. Zudem können - bei Vergleich mit Panelstudien sowie den Ergebnissen der anderen StaR_MHI-Arbeitspakete - ggf. auch nicht gedeckte Versorgungsbedarfe in großen Populationen identifiziert werden. Auch können die Institutionen des Gesundheitssystems ermittelt werden, über die Studierende Kontakt zum Gesundheitssystem haben und die damit Ansatzpunkte zur Sekundärprävention bieten.
Das Teilprojekt zum Monitoring soll auf quantitativer Grundlage Resilienz- und Risiko-Faktoren der Depressivität von Studierenden herausarbeiten. Als theoretischer Rahmen dafür dient aus soziologischer Perspektive die Interaktionistische Unterstützungstheorie, welche die Bedeutung von sozialen Interaktionen und den Einfluss von sozialen Beziehungen auf die mentale Gesundheit herausstellt. Sie untersucht, wie individuelle Erfahrungen und gesellschaftliche Faktoren zusammenwirken, um das Risiko von Depressivität zu erklären. Daraus leiten sich Untersuchungsfragen nach den Beziehungskonstellationen des sozialen Umfelds von Studierenden mit Blick auf die Ausprägung von Depressivität, nach den Einflüssen von Differenzkriterien wie Migrationshintergrund oder sozioökonomischem Status der Herkunftsfamilie sowie nach den dabei auftretenden Intersektionalitäten ab. Bei den querschnittlichen Analysen sollen zudem Vergleiche zu Auszubildenden gezogen werden, um die spezifische Belastungssituation im Kontext des Studiums zu untersuchen. Als Datengrundlage der Analysen dient der integrierte Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, AID:A, des DJI aus dem Erhebungsjahr 2023 können repräsentative Ergebnisse für Deutschland, auch im Zeitvergleich zu 2019, gewonnen werden.
Projektleitung
Prof. Dr. Birgit Reißig
reissig@dji.de
Projektmitarbeitende
Carolin Hoch (Dipl.-Soz.)
hoch@dij.de
Kooperierende Institutionen
04 Teilprojekt 2.2 Prospektive Studie neuro-psychophysiologscher Prädiktoren im Alltag
Der Beginn eines Studiums ist eine wichtige Übergangsphase, die mit vielen neuen Anforderungen, Veränderungen und Belastungen verbunden sein kann. Gleichzeitig bietet diese Phase die Möglichkeit, frühzeitig Faktoren zu identifizieren, die zur psychischen und körperlichen Gesundheit von Studierenden beitragen oder ein erhöhtes Risiko für stressassoziierte Erkrankungen anzeigen. In unserer Studie untersuchen wir, wie sich psychische Gesundheit, Schlaf und neurophysiologische Stressmarker im Verlauf der ersten beiden Studiensemester entwickeln. Dazu begleiten wir 200 Studierende ab den ersten Wochen ihres Studiums über drei Messzeitpunkte hinweg. Die Rekrutierung und Messung der Probandinnen und Probanden erfolgt an den Standorten Berlin, Jena und Halle. Neben klinischen Interviews und Fragebögen zu Risiko- und Resilienzfaktoren erfassen wir alltagsnah physiologische Parameter wie Herzratenvariabilität und Schlafqualität. Die Messungen erfolgen mithilfe von Smartwatches und mobiler EEG-Technologie selbstständig zu Hause. Die Datenauswertung der EEG-Daten erfolgt am Standort Dortmund. Ziel der Studie ist es, besser zu verstehen, welche psychologischen, neurophysiologischen und lebensstilbezogenen Faktoren mit Wohlbefinden, Belastung und Gesundheit im Studienverlauf zusammenhängen. Langfristig sollen die Ergebnisse dazu beitragen, Studierende mit einem erhöhten Risiko für stressbedingte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und evidenzbasierte Ansätze für Prävention und studentisches Gesundheitsmanagement zu entwickeln.
Projektleitung
Prof.in Dr.in Katja Wingenfeld
katja.wingenfeld@charite.de
Projektmitarbeitende
Dr. rer. nat. Lejla Colic (Leitung)
Lejla.colic@med.uni-jena.de
Prof. Dr. Edmund Wascher (Leitung)
wascher@ifado.de
Prof. Dr. Oliver Tüscher
psychiatrie@uk-halle.de
David Weigner
Dr. Stephan Getzmann
stephan.getzmann@tu-dortmund.de
Kooperierende Institutionen
05 Teilprojekt 2.4 Resilienz- und Risikofaktoren für Studierende: Stärken und Persönlichkeitspathologie
Als Teilprojekt des Verbundprojektes Students at Risk for Mental Health Issues (StaR_MHI) untersucht AP 2.4 Resilienz- und Risikofaktoren, die sich auf das Wohlbefinden von Studierenden auswirken können. Unter den Resilienzfaktoren psychischer Gesundheit nehmen Charakterstärken (d.s. moralisch positiv bewertete Eigenschaften wie Kreativität, Neugier, Urteilsvermögen, Liebe zum Lernen und Weitsicht) eine besondere Rolle ein, aber auch einzelne Merkmale, wie Verspieltheit. Integriert in die Baseline-Erhebung aus AP2.1 werden in Teilstichproben Resilienz- und Risikofaktoren erfasst, um deren Beziehungen zur psychischen Gesundheit im Längsschnitt zu prüfen. In einer Teilstichprobe werden dazu auch Erhebungen mit der deutschsprachigen Fassung des MMPI-3 eingesetzt.
Projektleitung
Prof. Dr. René Proyer
rene.proyer@psych.uni-halle.de
Projektmitarbeitende
N.N.
Kooperierende Institutionen
Kontakt
Prof.Dr. Stefan Watzke
Konsortialführung StaR_MHI
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Das aus dem Projekt resultierende CAMPUS-Framework umfasst Handlungsempfehlungen für Hochschulen, die aus der systematischen Erforschung von Risiko- und Resilienzfaktoren auf der individuellen Ebene als auch der strukturellen hochschulischen Kontextebene basieren.
GesA Stud entwickelt und evaluiert niedrigschwellige, personalisierte Maßnahmen zur Förderung der Studierendengesundheit und zur nachhaltigen Steigerung des Studienerfolgs.
PsychKOMPASS analysiert bundesweit die psychosozialen Beratungsangebote für Studierende, identifiziert Bedarfe und Barrieren und entwickelt darauf aufbauend evidenzbasierte, praxisnahe Empfehlungen zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Angebote an Hochschulen und Studierendenwerken.
UNIFY untersucht und fördert die psychische Gesundheit von Studierenden an drei Hochschulstandorten mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes, um evidenzbasierte, skalierbare Maßnahmen und einen nachhaltigen Kulturwandel in Hochschulen zu etablieren.
HoPsy erschließt analytische Potenziale an der interdisziplinären Schnittstelle von Hochschulforschung und Gesundheitswissenschaft und stärkt durch eine differenziertere Befundlage zum gleichzeitigen Einfluss individueller und institutioneller Determinanten die Möglichkeit evidenzbasierter Steuerung durch die Hochschulen zur gesundheitssensiblen Weiterentwicklung von Hochschulstrukturen.
Das Projekt MUTSPRUNG vereint Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) und das Promotionskolleg NRW, um die psychische Gesundheit von Studierenden und Promovierenden im Hinblick auf individuelle und strukturelle Einflussfaktoren, vulnerable Phasen im Studienverlauf sowie bestehende Barrieren und Teilhabemöglichkeiten wissenschaftlich zu untersuchen.