Wie können gesundheitsförderliche Bedingungen für Studierende und Promovierende geschaffen werden?

Dieser Frage geht das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Verbundprojekt MUTSPRUNG (Mehrdimensionale Untersuchung & Transfermaßnahmen mit Studierenden und Promovierenden für Resilienz und nachhaltige Gesundheit) nach. Es untersucht unter anderem, welche Faktoren die psychische Gesundheit von Studierenden und Promovierenden beeinflussen und entwickelt daraus wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Förderung der psychischen Gesundheit.

Im Juni 2026 kamen Vertreter*innen der beteiligten Hochschulen (Hochschule Bochum, FH Münster, Ruhr-Universität Bochum, katho NRW, FH Dortmund, THGA Bochum, FH Südwestfalen und Hochschule RheinMain) sowie des Promotionskollegs NRW, der Techniker Krankenkasse, des Netzwerks Gesunde Hochschulen NRW, der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.  und des Hochschulnetzwerks NRW am Gesundheitscampus der Hochschule Bochum zusammen. Gemeinsam tauschten sie erste Erfahrungen und Ergebnisse aus den Teilprojekten aus, diskutierten zentrale inhaltliche Fragestellungen und stimmten die nächsten wissenschaftlichen Arbeitsschritte ab.

HSBO / D. Bremkens HSBO / D. Bremkens

Abbildung 1: Die Mitglieder im MUTSPRUNG Verbund beim Treffen am Gesundheitscampus der Hochschule Bochum.

Nach einem Impulsvortrag zur aktuellen Situation der Studierenden- und Promovierendengesundheit wurde in einer anschließenden Podiumsdiskussion gemeinsam mit dem Teilnehmenden darüber diskutiert, welche Verantwortung Hochschulen für die psychische Gesundheit ihrer Studierenden und Promovierenden tragen. Dabei wurde deutlich, dass psychische Gesundheit nicht allein eine individuelle Aufgabe ist. Vielmehr prägen Studienorganisation, finanzielle Rahmenbedingungen, Lehr- und Lernkultur sowie gesellschaftliche Entwicklungen wie soziale Medien, Künstliche Intelligenz oder anhaltende Krisen den Studienalltag und das Wohlbefinden der Studierenden. Die Diskutierenden betonten, dass Hochschulen Verantwortung für gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen übernehmen müssen. Dabei kommt insbesondere Lehrenden eine wichtige Rolle zu: Sie sind nicht nur Vermittler*innen von Fachwissen, sondern auch zentrale Ansprechpersonen und Vorbilder im Hochschulalltag. Eine wertschätzende Kommunikation, ein bewusster Umgang mit Belastungssituationen und eine achtsame Gestaltung von Lehre können dazu beitragen, Studierende und Promovierende besser zu unterstützen und psychische Gesundheit stärker mitzudenken. Einigkeit bestand zudem darüber, dass Hochschulen künftig stärker als gesundheitsförderliche Lebens- und Begegnungsräume gestaltet werden müssen. Dazu gehören unter anderem flexible Studienstrukturen, wertschätzende Lehr-Lern-Kulturen sowie niedrigschwellige Unterstützungsangebote, die sich an den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Studierenden und Promovierenden orientieren.

HSBO / D. Bremkens HSBO / D. Bremkens

Abbildung 2: Podiumsdiskussion im Rahmen des Projekttreffens am Gesundheitscampus der Hochschule Bochum.

Die Teilprojektleitungen und ein Vertreter der Techniker Krankenkasse im Gespräch. Von links nach rechts: Prof.in Dr.in Swantje Notzon (katho NRW), Prof.in Dr.in Sandra Aßmann (RUB), Niklas Brähler-Dieling (Moderation), Prof.in Dr.in Jennifer Schmidt (FH Münster), Prof.in Dr.in Eike Quilling (Verbundleitung / HS Bochum) und Joachim Schröer (Techniker Krankenkasse)

Am Nachmittag standen im Rahmen von Arbeitsgruppen zwei zentrale Themen im Mittelpunkt: Zum einen wurde die Entwicklung eines wissenschaftlichen Erhebungsinstruments für ein hochschulübergreifendes Monitoring diskutiert, das in eine deutschlandweite Befragung zur psychischen Gesundheit von Studierenden und Promovierenden münden soll. Gemeinsam wurden zentrale Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit herausgearbeitet. Als bedeutsam wurden unter anderem soziale Anbindung und Zusammenhalt, Leistungsanforderungen, Stress, Zeitdruck sowie Zukunftsperspektiven, finanzielle Sicherheit und Beschäftigungsbedingungen bei Promovierenden benannt.

Zum anderen beschäftigten sich die Teilnehmenden der Arbeitsgruppen mit der Bestandsaufnahme bestehender gesundheitsfördernder Angebote an Hochschulen. Dabei ging es insbesondere um die Frage, welche Angebote bereits vorhanden sind, wie diese sichtbar und zugänglich gemacht werden können und inwiefern sie die unterschiedlichen Lebenslagen von Studierenden und Promovierenden berücksichtigen. Als wichtiger Aspekt wurde dabei die Rolle von Professor*innen benannt, die als Multiplikator*innen zu einem offeneren Umgang mit psychischer Gesundheit im Hochschulalltag beitragen und auf vorhandene Angebote hinweisen können. Diskutiert wurde außerdem, ob entsprechende Angebote fest im Curriculum verankert oder freiwillig angeboten werden sollten – eine curriculare Verankerung erweist sich in der Praxis oft als schwierig, weshalb Angebote bislang häufiger extracurricular umgesetzt werden.

Das Verbundtreffen setzte wichtige Impulse für die weitere Projektarbeit und verdeutlichte den Mehrwert der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung des Monitorings und die Ableitung bedarfsgerechter Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit an Hochschulen.

Kontakt

Janna Leimann

Fachbereich Gesundheitswissenschaften
Hochschule Bochum
Standort Gesundheitscampus
Gesundheitscampus-Süd 9
44801 Bochum
Deutschland

T +49 234 36186 9429
mutsprung@hs-bochum.de